Nearshoring in Tunis - geht das?

Nearshoring in Tunis
Sechs Vorbehalte neu beleuchtet
Fachkräftemangel in der IT und geringere Kosten sind nur zwei der Gründe, warum viele Unternehmen ihre Software-Entwicklung an einen Nearshoring-Partner outsourcen. Oft fällt die Wahl auf die Ukraine oder Polen. Gegen Länder wie Tunesien gibt es immer noch Vorbehalte. Sind diese gerechtfertigt?

Viele Unternehmen in Europa nutzen in Folge von IT-Fachkräftemangel und hoher Lohnkosten inzwischen Nearshoring Partner, um ihre Softwareentwicklung oder gesamte Geschäftsprozesse outzusourcen. Klassischerweise fällt die Wahl dabei auf Polen, Bulgarien oder auch die Ukraine. Doch auch Standorte wie Tunesien gewinnen in diesem Zusammenhang immer mehr an Bedeutung.

Allerdings gibt es immer noch Vorbehalte gegenüber nichteuropäischen Partnern, die sich jedoch leicht widerlegen lassen, denn Nearshoring in Tunesien bietet auch viele Vorteile.

Definition und Merkmale von Nearshoring

Doch was versteht man eigentlich unter Nearshoring? Nearshoring bezeichnet die Verlagerung betrieblicher Aktivitäten ins nahegelegene bzw. -stehende Ausland. Es kann als Sonderform von Offshoring und Gegenteil von Farshoring aufgefasst werden. Nearshoring bietet eine gute Möglichkeit, IT-Dienstleistungen in konstant hoher Qualität zu guten Konditionen zu erbringen. Dies ist in Zeiten von Fachkräftemangel und damit verbundenen hohen Lohnkosten eine gute Alternative für viele Unternehmen.

Ziele und Vorteile von Nearshoring

Mit Nearshoring wollen Unternehmen wie bei Offshoring überhaupt vor allem die Personalkosten (Löhne und Ausgaben für Aus- und Weiterbildung) senken. Dadurch können Unternehmen ihre Kosten reduzieren und ihre Flexibilität und Effizienz erhöhen. Damit sichern sie sich einen Wettbewerbsvorteil, da so Geld für notwendige Investitionen frei wird, um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen. Der Trend der Auslagerung von Leistungen im IT Bereich ins Ausland exisitiert angesichts der wachsenden Globalisierung deshalb bereits seit vielen Jahren.

Allerdings gibt es immer noch Vorbehalte gegenüber nichteuropäischen Partnern, die sich jedoch leicht widerlegen lassen, denn Nearshoring in Tunesien bietet auch viele Vorteile.

Herausforderungen beim Nearshoring

Durch die Verlagerung in einen anderen Teil der Welt erhöht sich der Kommunikationsaufwand, oft gibt es Sprachbarrieren, die überwunden werden müssen. Zusätzlich müssen Prozesse genau definiert sein, um die Vorteile des Nearshoring nutzen zu können. Eine zusätzliche Herausforderung sind Datenschutzrisiken, die bei der Option einer Verlagerung der IT Entwicklung außerhalb Deutschlands besonders berücksichtigt werden müssen.

 

Vorteile von Nearshoring in Tunesien

Trotz aller Bedenken gegenüber der Verlagerung von Dienstleistungen in ein anderes Land, das anderen Gesetzgebungen untersteht, ist das Nearshoring eine gute Alternative, um sich in einer globalisierten Welt behaupten zu können. Dass Tunesien hierfür eine gute Option ist, lässt sich anhand einiger Kriterien gut darstellen.

Zugang zu mehr Talenten

Wie bereits dargelegt, bietet Nearshoring den Vorteil, auf qualifizierte Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern zuzugreifen. In Tunesien ist die Hochschulbildung qualitativ hochwertig und mit den westeuropäischen Ländern absolut vergleichbar. 240.000 Studierende schließen jedes Jahr die Hochschule ab, davon sind 20.000 Absolventen Ingenieure und Wissenschaftler und 9.000 Informations- und Kommunikationstechnologie-Absolventen. In Tunesien existieren mehr als 50 Ingenieurschulen, die unter anderem Informatik unterrichten. Dies garantiert eine hohe Qualität bei der Umsetzung von Softwareprojekten.

Zeitliche und räumliche Nähe

Distanz: Auch wenn Tunesien auf einem anderen Kontinent liegt, befindet sich das Land in der gleichen Zeitzone bzw. in der Sommerzeit und ein Flug dauert nur wenig mehr als zwei Stunden. Diese Nähe gewährleistung im Gegensatz zum Offshoring in Ländern wie Indien, dass Ansprechpartner während der europäischen Geschäftszeiten für Absprachen oder zur Lösung von Problemen zur Verfügung stehen. Durch Innovationen wie dem Cloud Computing ist die Zusammenarbeit zudem nahezu barrierefrei.

Keine Sprachbarrieren und stabile Infrastruktur

Kommunikation: Große Teile der tunesischen Bevölkerung sprechen fließend Französisch, Englisch wird in der Schule ab Klasse 4 unterrichtet und es sind zertifizierte sowie professionelle Sprachinstitutionen für die deutsche Sprache vorhanden. Bei den technischen Berufen kann Französisch und Englisch vorausgesetzt werden, oft kommen Deutsch und Italienisch hinzu. Die lokale Distanz lässt sich durch digitale Kommunikationsmittel, die sich während der Corona-Pandemie noch weiterentwickelt haben, ohne Probleme überbrücken. Dazu trägt auch die gute Telekommunikationsinfrastruktur bei, bei der Tunesien im südlichen Mittelmeerraum führend ist.

Hands-On-Mentalität

Mentalität: Ohne Frage bestehen zwischen der deutschen und tunesischen Mentalität Unterschiede. Firmen wie die think tank Business Solutions verfügen jedoch inzwischen über jahrzehntelange Erfahrung in der Umsetzung zahlreicher Projekte mit europäischen Partnern. Ein deutscher Brückenkopf bestehend aus Product Ownern und IT Consultants garantiert zusätzlich, dass die Zusammenarbeit mit den Kunden reibungslos funktioniert.

Steuerung: Die Steuerung eines Projekts ist immer herausfordernd, besonders wenn ein hybrides, multinationales Team geführt werden muss. Um den reibungslosen Ablauf eines Projekts zu gewährleisten, bietet sich ein agiles Arbeitsmodell an, das sich gerade bei der Entwicklung und Umsetzung von Software in Unternehmen wie der think tank auch in Tunesien durchgesetzt hat. Durch die Steuerung der Projekte durch deutsche Kollegen ist sichergestellt, dass die Anforderungen der Kunden immer im Fokus stehen. Die Entwickler in Tunesien haben zudem genau wie ihre Kollegen in anderen Ländern eine „Get the job done“-Mentalität und agieren zielorientiert.

Kosteneinsparungen und schnellere Lieferzeiten

Kosten: Auch kostenseitig ist Tunesien eine sehr gute Alternative. Die Stundensätze für einen tunesischen Mitarbeiter sind attraktiv und wettbewerbsfähig. Trotz der guten Arbeitsmarkt-Qualität sind die durchschnittlichen Lohnkosten beispielweise für einen Vollzeitangestellten – im Vergleich zu den osteuropäischen Ländern – sehr gering und machen somit Tunis zu einem attraktiven nordafrikanischen Standort für Business Process Outsourcing.

Nicht zu vergessen ist, dass wir uns mit Tunesien in einem politisch stabilen Raum befinden, während es im osteuropäischen Raum in der letzten Zeit immer Spannungen und Unwägbarkeiten gibt.

Faziz: Nearshoring als Chance für Ihr Unternehmen

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Tunesien als Nearshoring-Partner eine gute Alternative zu den klassischen osteuropäischen Ländern darstellt. Im Zusammenspiel mit einem deutschen Brückenkopf, der bei Bedarf als Übersetzer nicht nur der Kultur, sondern auch der Mentalität fungieren kann, setzt man auf das Beste aus beiden Welten: Verfügbarkeit von Fachkräften, Kosteneinsparungen, Effizienz und deutsches Knowhow sowie deutsche Qualität. Durch die Nähe zu Deutschland hat auch das Thema Daten- und Informationssicherheit einen hohen Stellenwert, was Datenschutzbedenken hinfällig macht.